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Longevity: Der Lebensstil beeinflusst unsere Lebenserwartung, nicht die Gene

Ein langes Leben ist nicht nur ein Wunsch, sondern mittlerweile auch ein Trend geworden. Überhaupt werden wir Menschen immer älter. Im Interview erklärt die Altersforscherin Heike A. Bischoff-Ferrari, worauf wir achten müssen, wenn wir gesund altern möchten.

Ein Elixier für ewiges Leben gibt es noch nicht. Trotzdem konnte die Menschheit die Chance, älter als 65 Jahre zu werden, in den letzten 200 Jahren weltweit fast verdoppeln. Umso relevanter wird es für uns, gesund zu altern.

Was das bedeutet – auch für sie persönlich – erklärt Heike A. Bischoff-Ferrari im Interview. Die Altersforscherin ist noch bis Ende Juni als Lehrstuhlinhaberin für Geriatrie und Altersforschung an der Universität Zürich tätig. Sie wird ab Juli die gleiche Funktion an der Universität Basel übernehmen und Departementsleiterin Universitäre Altersmedizin Felix Platter.

Heike, wie möchtest du alt werden?

Ich möchte bis ins hohe Alter von Menschen umgeben sein, die ich aus einem früheren Lebensabschnitt kenne oder auch neue Menschen kennenlernen. Es ist mir wichtig, neugierig zu bleiben und immer noch einen Beitrag für die Gesellschaft leisten zu können.

Wie stark kann der Mensch sein Älterwerden beeinflussen oder hängt doch mehr von den Genen als vom Lebensstil ab?

Wir wissen heute, dass die Variabilität unserer Lebenserwartung nur zu zehn bis 30 Prozent durch unsere Gene bestimmt wird. Der Rest wird durch die Umwelt und unseren Lebensstil beeinflusst. Diese epigenetischen Faktoren können wir aber beeinflussen, indem wir gesund leben.

Man hat beispielsweise in der Krebs- und Demenzforschung herausgefunden, dass bei Menschen, die ein genetisches Risiko haben, der Ausbruch der Krankheit zu 90 Prozent über den Lebensstil definiert wird. Denn die Epigenetik setzt sogenannte «Stop and Go Marker» und diese beeinflussen, ob genetische Risiken ausbrechen oder stumm bleiben. Unser Lebensstil ist also ein wichtiger Faktor.

Was machst du persönlich, um gesund zu leben beziehungsweise gesund zu bleiben?

Ich nehme das Leben mit Humor und versuche aktiv zu sein, mich viel zu bewegen und beispielsweise die Treppen, statt den Aufzug zu nehmen. Zudem achte ich auf einen guten Schlaf, ernähre mich gesund, mache hin und wieder Yoga, und nehme die in DO-HEALTH untersuchten Supplemente Vitamin D und Omega-3.

SWICA Talks «Longevity: Wenn die Schweiz immer älter wird»

Ein langes Leben ist mehr als nur ein Wunsch – es ist mittlerweile zu einem Trend geworden. Wie man gesund altert und wie das unser Leben verändert, diskutieren Heike A. Bischoff, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin mit Schwerpunkt Geriatrie und Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation und Erich Scheibli, Care Manager Privatkunden SWICA in der neuen Folge von SWICA Talks.

Mit diesem «einfachen» Rezept könnten wir alle ziemlich alt werden. Was ist dein Ziel?

Ich möchte meine gesunde Lebenserwartung verlängern. Denn bei der Longevity-Forschung geht es nicht darum uralt zu werden, sondern die gesunde Lebenserwartung zu verlängern. In Europa liegt die mittlere totale Lebenserwartung zwar bei 80 Jahren, aber die mittlere gesunde Lebenserwartung liegt nur bei 65 Jahren. Wir arbeiten daran, diese Lücke von 15 Jahren in Krankheit durch unsere Forschung zu schliessen.

Wann sollte der Mensch anfangen, auf seine Gesundheit zu achten oder anders gefragt: kann es auch irgendwann zu spät sein?

Wir sehen in unserer Forschung, dass Menschen, die auf einem niedrigen Niveau mit der Förderung ihrer Gesundheit beginnen, die steilsten Verbesserungen haben. Wir empfehlen immer eine Kombination von machbaren Lebensstilanpassungen und keine Extreme, wie etwa einen Marathon zu laufen.

In der Kombination gesunder Lebensstilfaktoren sehen wir additive Vorteile für die Gesundheit und Verlangsamung unseres Alterungsprozesses. Zu den gesunden Lebensstilfaktoren zählen Bewegung, gesunde Ernährung, gesunder Schlaf, Nichtrauchen, neue Sachen lernen, soziale Interaktion und Achtsamkeitstrainings.

Jede dieser gesunden Lebensstilfaktoren sind Multitalente, die sich kombiniert verstärken. Wenn ich mich zum Beispiel bewege, um das Demenzrisiko zu reduzieren, verlangsame ich gleichzeitig meinen biologischen Alterungsprozess, stärke meine Herzkreislaufgesundheit und reduziere mein Diabetesrisiko.

Wie wichtig ist es, auch im Alter noch eine Aufgabe zu haben?

In den sogenannten Blue Zones – beispielsweise in Okinawa in Japan oder auf Sardinien – wo die Menschen überdurchschnittlich gesund alt werden, haben sich die Hochaltrigen ein Netzwerk aufgebaut. Darin unterstützen sie sich gegenseitig und sie spielen auch bis ins hohe Alter weiterhin eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Die dortigen Lebensmuster wie eine pflanzenbasierte Ernährung, rege soziale Interaktionen oder das Aktivsein sind in diesen Zonen im Lebensstil fest verankert.

Du hast erst kürzlich neuste Ergebnisse über die Wirksamkeit von Omega-3 im Fachmagazin Nature Aging publiziert. Was räts du allen, die ihre Lebenserwartung verlängern möchten?

Wir haben in «DO-HEALTH», der grössten Studie zur gesunden Langlebigkeit in Europa, herausgefunden, dass die kombinierte Einnahme von Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren sowie regelmässige körperliche Aktivität das Risiko von Krebserkrankungen um 61 Prozent und das Risiko vorzeitiger Gebrechlichkeit um 39 Prozent vermindern kann. In der gleichen Drei-Jahres-Studie liess sich diese Wirkungen zudem für die Omega-3-Fettsäure (ein Gramm pro Tag, algenbasiert) in eine Verjüngung der biologischen Alterung um bis zu vier Monaten übersetzen. Die Wirkung auf das biologische Alter verstärkte sich in der Kombination aller drei Massnahmen.

Ist ein langes Leben um jeden Preis erstrebenswert? Was hältst du von Longevity-Kliniken?

In der Longevity-Forschung geht es zentral um die Verlängerung der gesunden Lebenserwartung. Also Jahre, in denen wir gesund und aktiv sein können. Es gibt einen Trend hin zu Longevity-Kliniken, deren Empfehlungen und Messwerte nicht auf Basis von wissenschaftlichen Belegen funktionieren. Zudem können sich viele Menschen deren Abklärungen und Behandlungen nicht leisten.

«Wir sehen in unserer Forschung, dass Menschen, die auf einem niedrigen Niveau mit der Förderung ihrer Gesundheit beginnen, die steilsten Verbesserungen haben.» Prof. Dr. med. Dr. PH Heike A. Bischoff-Ferrari, Lehrstuhlinhaberin für Geriatrie und Altersforschung an der Universität Zürich

Was ist deine Vision? Wohin soll die Altersforschung gehen und wie soll sie uns aus gesundheitlicher Sicht nützen?

Um die gesunde Lebenserwartung voranzubringen, braucht es Konzepte, die für alle Menschen zugänglich sind. Die gute Nachricht ist, dass die belegtesten Massnahmen zur Verlängerung Lebensstilfaktoren sind. Die Herausforderung dabei ist Menschen zu unterstützen, diese umzusetzen.

Die Universität Basel plant einen universitären Schweizer Campus für gesunde Langlebigkeit, um wissenschaftlich belegte Konzepte für die Bevölkerung nutzbar zu machen und neue Messmethoden zum biologischen Alter in die Klinik zu übersetzen.

Zudem ist ein Globales Forschungsnetzwerk, das sich zum Ziel gesetzt hat, neue Lösungen für die Verlangsamung unseres Alterungsprozesses über gemeinsame Projekte zu prüfen, am Schweizer Campus für gesunde Langlebigkeit verankert.

Heike A. Bischoff-Ferrari übernimmt Leitung und gründet einen Campus

Heike A. Bischoff-Ferrari, Lehrstuhlinhaberin für Geriatrie und Altersforschung an der Universität Zürich, wird per Anfang Juli 2025 den Lehrstuhl für Geriatrie an der medizinischen Fakultät Basel in Verbindung mit der Position als Chefärztin und Departementsleiterin Akute Altersmedizin an der Universitären Altersmedizin Felix Platter (UAFP) übernehmen.

Als Weiterentwicklung von DO-HEALTH soll an der Universität Basel und der UAFP ein einmaliger Schweizer Campus für gesunde Langlebigkeit aufgebaut werden. Dieser soll die klinische und volksgesundheitliche Nutzbarmachung belegter Massnahmen zur Förderung der gesunden Lebenserwartung voranbringen. Ziel ist es, neue Lösungen für die Gesundheitsförderung erwachsener Menschen wissenschaftlich zu belegten und nachhaltig in die Praxis umzusetzen.

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